LPM Bites – Purpose Driven Management: A Humanistic Approach to Legal Project Management

Eine Rezension

Vor einem Jahr ist Anna Marras Buch erschienen. Es umfasst ca. 210 Seiten (12,75 €) und ist in einzelne, leicht lesbare kurze Kapitel gegliedert. Diese enthalten Gedankenaufrisse und Überlegungen zu zahlreichen Aspekten rund um das Juristische Projektmanagement und schließen jeweils mit übersichtlichen „Take Aways“ und einem „Challenge of the Day“, der jeweils eine Handlungsempfehlung und das damit verbundene Ziel wiedergibt.

Die Autorin geht auf zahlreiche Themen rund um das Juristische Projektmanagement ein und setzt sich mit diesen, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen auf die Berufspraxis auseinander. Zu nennen sind beispielhaft „Invisible Work“, „The Value of Silence“, „Innovation”, “The Psychosocial Threat of Mistakes”, “Cognitive Diversity“ and „Human-Centered Approach to Projects”, “Process Management” “Time Management”, Einfluss künstlicher Intelligenz auf die Zukunft der juristischen Arbeit, Selbstachtsamkeit, Umgang mit Unsicherheit“, (persönliche) KPIs, “LegalOperations”, Motivation and „Toxic Productivity“, „Legal Design“, Multidisziplinaritat, Emphatie, Emotionale Intellelligenz und Humanistische Arbeitsweisen (“People designing projects for people who receive projects.”, Seite 55). Sie berührt auch das Thema Leadership und führt insgesamt alle Themen und die unterschiedlichen Hintergründe und ihre Erfahrungen auf dem Gebiet immer wieder zusammen.

Das Buch ist allen das Recht Studierenden sowie Anwendenden unbedingt zu empfehlen. Es besticht durch einen sehr flüssigen, persönlichen und perspektivreichen Stil der Gedankenführung und des Schreibens. Quellen sind im Text jeweils ausführlich benannt. Das Buch verfolgt das Ziel, die Reflexion des Lesers dahingehend zu stärken, wie er seine künftige Arbeit produktiver, teamorientierter und zugleich im Einklang mit seinen Wert- und Lebenseinstellungen gestalten kann.

Zu Gute kommt dem Buch die jahrelange Befassung der Autorin mit dem Juristischen Projektmanagement und Zukunftsfragen des Rechts. Sie ist eine Pionierin des Juristischen Projektmanagements und hat dieses im spanischsprachigen Raum etabliert. So arbeitet sie über zehn Jahren als Trainerin mit namenhaften Kanzleien und Unternehmen, aber auch kleinen Einheiten zusammen. Weiterhin ist sie Dozentin an zahlreichen spanischen und lateinamerikanischen Hochschulen. Zusätzlich ist sie seit vielen Jahren stellvertretende Vorsitzende des Global Advisory Council des International International Institute of Legal Project Management.

Sie ist ein Freigeist, der zum Out-of-the-Box-Denken einlädt und in ihrem Buch neben vielen Denkanstößen auch das große Bild zeichnet und ein Plädoyer für einen neuen innovativen wie auch kreativen Arbeitsansatz in der Rechtswelt hält. Sie zeichnet das Bild der häufig noch rückgewährtsgewandten Rechtspraxis und spiegelt dieses in den zahlreichen Neuerungen, die derzeit den Rechtsmarkt disruptiv aufbrechen. Sie überzeugt den Leser darin, dass Offenheit, Kreativität und damit einhergehende Innovationen zu neuen Arbeitskonzepten führen werden. Hinsichtlich der Umsetzung dieser stellt sie immer wieder Verbindungen zum Juristischen Projektmanagement als Schlüsselinstrument her. Ihre Überzeugungen zum und Ihr Leben für das Juristische Projektmanagement sprechen aus jeder Seite.

Immer wieder weist sie darauf hin, dass ein glückliches Berufsleben nur gelingt, wenn man seine eigene Identität und seine eigene Bestimmung erkennt. Sie spricht sich vielfach für eine ausgeglichene Lebensweise aus, da nur eine solche zu tatsächlicher Effizienz und Produktivität führt. Teams sollten vielfältig, divers und multidisziplinär aufgestellt sein. Im Mittelpunkt allen Strebens sollte die Schaffung eines Mehrwerts für den Mandanten stehen. Damit muss eine ausführliche Auseinandersetzung mit dessen tatsächlichen Bedürfnissen stattfinden. „“… a project has a purpose, and fullfilling that purpose is the most important goal.” (Seite 149).

Weiterhin muss eine Fehlerkultur fest etabliert werden. Wichtig sei auch, den Prozess und den Weg zu einem Ergebnis zu schätzen und sich dessen mit Akribie anzunehmen. Das Ziel sei, über lange Zeiträume hinweg bessere Leistungen zu erbringen als mehr in immer weniger Zeit.

Unbedingte Leseempehlung!

Harald Evers Rechtsanwalt, Hochschuldozent und Juristischer Projektmanager.

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